Alle Artikel

Upselling im Customer Success: Das Upgrade-Gespräch richtig führen

Von Marcel Pfenning

Nahaufnahme einer Eisoberfläche

Ein Upgrade verkaufst du nicht mit Funktionen, sondern mit dem Erfolg, den der Kunde mit dir schon hat. Daraus leitest du ab, wo sein aktuelles Paket an Grenzen stößt. Der Preis kommt bei Bestandskunden eher früh und offen, und der Entscheider gehört ins Gespräch, nicht nur in den Verteiler.

Viele Customer Success Manager tun sich mit Upselling schwer. Sie sind Betreuer, Berater, Problemlöser. Verkaufen fühlt sich an wie ein Rollenwechsel, der die Beziehung gefährdet. Ich sehe das anders: Ein Upgrade, das dem Kunden hilft, ist Beratung. Ein Upgrade, das ihm nicht hilft, solltest du ohnehin nicht verkaufen.

Wann ist der richtige Moment für ein Upgrade?

Wenn zwei Dinge zusammenkommen: Der Kunde hat mit dir Erfolg, und er stößt an eine Grenze.

Typische Signale:

  • Die Nutzung steigt, das Kontingent wird knapp.
  • Ein neues Team, ein neuer Standort oder eine neue Abteilung kommt dazu.
  • Der Kunde fragt wiederholt nach Funktionen, die im größeren Paket stecken.
  • Die Budgetplanung fürs nächste Jahr steht an.

Ohne Erfolg kein Upgrade. Wer einem Kunden, der die Basis kaum nutzt, ein größeres Paket anbietet, verkauft ihm Shelfware. Das rächt sich bei der Verlängerung.

Wie eröffnest du das Upgrade-Gespräch?

Mit Wert, nicht mit einer Entschuldigung.

In einem Coaching mit einem Customer Success Manager habe ich einen Gesprächseinstieg gehört, der bei vielen ähnlich klingt: „Du hast bestimmt gerade viel um die Ohren, oder?“ Gut gemeint. Aber der Kunde bekommt damit einen Freifahrtschein, das Gespräch abzukürzen. Und er nutzt ihn. Er erklärt ausführlich, warum er eigentlich keine Zeit hat.

Besser:

„Ich bin kurz. Ich habe mir euren Account angeschaut und drei Punkte gefunden, die ich heute mit dir klären möchte. Passt das gerade?“

Der Unterschied ist nicht Höflichkeit. Es ist Haltung. Wer anruft, weil er etwas mitbringt, sollte das auch sagen. Mehr dazu im Artikel Selbstbewusst verhandeln.

Die Startrampe im Bestandskundengespräch

Für Upgrade-Gespräche hat sich ein Aufbau bewährt, den ich mit einem Customer-Success-Team einer Recruiting-Plattform entwickelt habe. Er folgt der Logik der Startrampe aus dem Artikel Verhandlungsstrategien im Verkauf, angepasst auf die Betreuung:

1. Erst der Service. Das Gespräch beginnt mit dem, wofür der Kunde ohnehin da ist. Zum Beispiel die Auswertung seiner Nutzung oder Feedback zu laufenden Projekten.

2. Die Überleitung mit Erlaubnis.

„Gibt es dazu noch Fragen? Wenn nicht, würde ich dir gern zeigen, wie unsere Zusammenarbeit im nächsten Jahr weitergehen kann. Passt das für dich?“

3. Den Erfolg würdigen, konkret.

„Ihr habt in den letzten sechs Monaten zwei Stellen über uns besetzt. Ich habe mir angeschaut, was bei euch als Nächstes ansteht, und ihr sucht gerade für mehrere Positionen gleichzeitig.“

4. Die Grenze des aktuellen Pakets zeigen. Nicht als Mangel, sondern als nächsten Schritt: Was wäre mit dem größeren Paket möglich, das heute nicht geht?

5. Den nächsten Schritt mit dem Entscheider vereinbaren.

„Ich würde dir einen kurzen Überblick über die Konditionen geben und dann einen zehnminütigen Termin mit der Person vorschlagen, die bei euch über das Budget entscheidet. Dann finden wir gemeinsam heraus, was am besten passt.“

Den Preis früh oder spät nennen?

In einer Upsell-Simulation im selben Team kam genau diese Frage auf. Der Account Manager hatte das größere Paket gut erklärt: Funktionen, Nutzen, Beispiele. Der Preis kam am Ende. Und genau dort wurde das Gespräch zäh.

Die Diskussion danach drehte sich um eine einfache Frage: Warum nicht gleich mit offenen Karten spielen?

Eine Orientierung bieten die Bewusstseinsstufen, die Eugene Schwartz 1966 für die Werbung beschrieben hat: vom Kunden, der sein Problem noch nicht kennt, bis zum Kunden, der Produkt und Anbieter genau kennt. Ein Bestandskunde steht weit hinten auf dieser Skala. Er kennt das Produkt, er kennt dich. Für ihn ist ein langer Anlauf vor der Zahl kein Aufbau, sondern ein Umweg.

Unsere Schlussfolgerung im Team:

  • Bei Bestandskunden mit guter Nutzung: Preis früh und offen nennen, dann den Unterschied erklären.
  • Bei Kunden, die das größere Paket noch nicht kennen: erst den Nutzen, dann den Preis, aber ohne langen Monolog.
  • In beiden Fällen: den neuen Preis immer neben den heutigen Vertrag stellen. Der Kontrast macht den Mehrwert sichtbar. Wie diese Gegenüberstellung aussieht, steht im Artikel Preismodell umstellen.

Eine Empfehlung geben statt drei Optionen erklären

Viele Customer Success Manager zeigen alle Pakete und lassen den Kunden wählen. Das wirkt neutral. Es macht die Entscheidung aber schwerer.

Matthew Dixon und Ted McKenna haben für ihr Buch „The JOLT Effect“ nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen aufgezeichnete Verkaufsgespräche ausgewertet. Einer ihrer Befunde: Kunden scheitern oft nicht am fehlenden Interesse, sondern an der Angst, die falsche Wahl zu treffen. Eine ihrer Empfehlungen: dem Kunden eine klare Empfehlung geben, statt ihm alle Optionen gleichwertig vorzulegen.

„Ich habe mir eure Zahlen angeschaut. Für euch passt das mittlere Paket. Das große braucht ihr erst, wenn ihr mehr als zwei Standorte habt.“

Das ist Beratung. Und es macht die Entscheidung leichter.

Den Entscheider ins Gespräch holen

Im Customer Success sprichst du meist mit Anwendern. Die entscheiden aber selten über ein größeres Budget. Wer das Upgrade nur mit dem Anwender bespricht, legt die Entscheidung in eine Sitzung, in der er nicht dabei ist.

Zwei Werkzeuge haben sich bewährt:

Der kurze Termin. Zehn Minuten mit dem Entscheider, gemeinsam mit deinem Ansprechpartner. Nicht für eine Präsentation, sondern um eine Frage zu klären: Was müsste das größere Paket leisten, damit es sich für euch rechnet?

Video statt PDF. Wenn der Termin nicht zustande kommt, braucht dein Ansprechpartner etwas zum Weiterleiten. Ein PDF wird oft nicht gelesen. Ein kurzes Video mit den Eckpunkten wird eher geteilt und angesehen. Das war in mehreren Teams eine der wirksamsten kleinen Änderungen.

Wie du deinem Ansprechpartner die Zahlen für die interne Freigabe lieferst, steht im Artikel Business Case für die Freigabe.

Wenn der Kunde für das Upgrade Rabatt will

„Das größere Paket gern, aber dann zum Preis vom kleinen plus 10 Prozent.“

Hier greifen dieselben Regeln wie in jeder Softwareverhandlung: Den laufenden Preis schützt du. Wenn sich etwas bewegt, dann bei einmaligen Bestandteilen. Und nichts ohne Gegenleistung. Ein Beispiel: das größere Paket für die ersten drei Monate zum alten Preis, wenn der Kunde sich für zwölf Monate entscheidet. Mehr dazu im Artikel SaaS-Preisverhandlung.

Abschluss: Mini-Vertrag statt „nächste Woche“

Upgrade-Gespräche enden oft mit: „Ich bespreche das intern, wahrscheinlich nächste Woche.“ Und der Customer Success Manager antwortet: „Super, dann machst du mich damit schon glücklich.“

„Nächste Woche“ ist kein Termin. Besser:

„Wann genau, eher Montag oder Mitte der Woche? Dann trage ich mir das ein und melde mich am Donnerstag kurz, falls du bis dahin noch Fragen hast.“

Konkreter Tag, konkreter nächster Kontakt. Das erhöht die Verbindlichkeit für beide Seiten.

Fehlermuster

  • Upgrade ohne Erfolg. Wer die Basis nicht nutzt, braucht kein größeres Paket.
  • Entschuldigender Einstieg. „Ich will dir nicht noch mehr Arbeit machen“ klingt, als wäre dein Anruf eine Last.
  • Funktionsmonolog. Zwanzig Minuten Erklärung, dann der Preis. Der Kunde ist innerlich längst ausgestiegen.
  • Alle Optionen, keine Empfehlung. Wer nicht empfiehlt, lässt den Kunden mit seiner Unsicherheit allein.
  • Konjunktive. „Das könnte vielleicht für euch interessant sein“ schwächt jede Empfehlung. Besser: „Das passt für euch.“
  • Offenes Ende. Ohne Datum kein Commitment.

Wie du im Gespräch mit Entscheidern auf Augenhöhe bleibst, steht im Artikel Auf Augenhöhe verhandeln.

FAQ

Wann ist der richtige Moment für ein Upselling-Gespräch? Wenn der Kunde mit der bestehenden Lösung nachweislich Erfolg hat und an eine Grenze des aktuellen Pakets stößt. Typische Signale sind steigende Nutzung, neue Teams oder Standorte, wiederholte Fragen nach Funktionen aus dem größeren Paket und ein Planungszeitraum, in dem Budgets verteilt werden.

Soll ich den Preis beim Upselling früh oder spät nennen? Das hängt davon ab, wie gut der Kunde Produkt und Anbieter schon kennt. Bei Bestandskunden, die das Produkt nutzen, wirkt ein früher und offener Preis meist vertrauensbildend. Ein Preis, der erst nach einem langen Funktionsmonolog kommt, wirkt dagegen oft versteckt.

Wie eröffne ich ein Upselling-Gespräch, ohne aufdringlich zu wirken? Mit einem Mehrwert, nicht mit einer Entschuldigung. Starte mit dem, was du für den Kunden vorbereitet hast, etwa einer Auswertung seiner Nutzung, und frag dann, ob du zeigen darfst, wie die Zusammenarbeit weitergehen kann. Sätze wie „Du hast bestimmt viel um die Ohren“ geben dem Kunden einen Ausstieg, bevor das Gespräch begonnen hat.

Was tun, wenn mein Ansprechpartner nicht über das Budget entscheidet? Biete einen kurzen gemeinsamen Termin mit dem Entscheider an und gib deinem Ansprechpartner etwas an die Hand, das er weiterleiten kann. Ein kurzes Video mit den Eckpunkten wird intern eher geteilt und angesehen als ein PDF.

Quellen

  • Dixon, M., & McKenna, T. (2022). The JOLT Effect: How High Performers Overcome Customer Indecision. New York: Portfolio/Penguin.
  • Schwartz, E. M. (1966). Breakthrough Advertising. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall.

Über den Autor: Marcel Pfenning ist Sales-Trainer, Coach und Unternehmer in Wien. Er begleitet Customer-Success-Teams im Sparring und in Einzelcoachings, mit echten Gesprächsaufnahmen statt Rollenspiel-Theorie.

Dein Customer-Success-Team betreut gut, verkauft aber nicht? Im Erstgespräch schauen wir auf eure Upgrade-Gespräche und die zwei Stellen, an denen sie kippen. Erstgespräch vereinbaren

Lass uns für 15 Minuten über eure aktuellen Grenzen sprechen

15 Minuten. Danach weißt du, ob das Format zu euch passt.